Zweite Chance für Ungelernte

14% aller Erwachsenen verfügen weder über einen Berufs- noch einen Mittelschulabschluss; allein unter der ständigen Wohnbevölkerung im Alter von 25 bis 34 Jahren zählt man 116'000 Ungelernte. Diese Anzahl ist für unsere hoch entwickelte Arbeitswelt zu gross. Deshalb sind diese Menschen vermehrt von Arbeitslosigkeit bedroht oder gar von der Sozialhilfe abhängig. Mehr als die Hälfte aller Sozialhilfebezügerinnen und -bezüger besitzt keinen Abschluss auf Sekundarstufe II.

Manche von ihnen sind in der Lage, die in jungen Jahren verpasste Ausbildung nachzuholen. Sie sollten eine zweite Chance erhalten, eine berufliche Grundausbildung zu besuchen.

Das Berufsbildungsgesetz sieht dafür 5 Wege vor, vgl. (Übersicht: Verschiedene Möglichkeiten, als Erwachsener einen Berufsabschluss zu erwerben). Zwei Wege richten sich an Personen, die über Qualifikationen verfügen ähnlich denjenigen einer Berufslehre. Sie können sie in einem Validierungsverfahren anerkennen lassen oder sich - ohne eine Berufslehre besucht zu haben - einer Lehrabschlussprüfung unterziehen. Die grosse Mehrheit der Ungelernten verfügt jedoch nicht über solche Qualifikationen. Sie müssen eine Berufslehre absolvieren, wenn sie einen anerkannten Abschluss erwerben wollen. Für Erwachsene ist dies ein langer und entbehrungsreicher Weg: Arbeit im Betrieb, Schulbesuch, Hausaufgaben und parallel dazu oft auch Elternpflichten. Zudem ist das Einkommen stark eingeschränkt. Es erstaunt nicht, dass nur wenige diesen Weg wählen.

Neue Programme sollen ungelernte Erwachsene unterstützen, die eine Berufsausbildung nachholen wollen. Sie starten mit einer Triage-Phase, gefolgt von Kursen zum Auffrischen und Ergänzen der Schulkenntnisse. Dann folgt das Herzstück, der Besuch einer (eventuell verkürzten) Berufslehre. Während der gesamten Zeit werden die Lernenden - soweit notwendig - von Fachpersonen unterstützt. Dies beinhaltet u.a. die Suche nach Quellen zur Finanzierung des Lebensunterhaltes.

Die bestehenden Anstrengungen konzentrieren sich in erster Linie auf junge Erwachsene bis zu 25 Jahren. VALIDA und die Berufsbildungsprojekte Wettstein werden in einer Serie von Veranstaltungen aufzeigen, was davon übernommen werden kann, damit auch Personen über 25 die Chance erhalten, ihre berufliche Ausbildung nachzuholen.

Diese Webseite vermittelt Grundlagen und informiert laufend über Veranstaltungen und Ergebnisse.

Weitere Dokumente:

Einladung und weitere Informationen zur Vorstellung der Projekte Vorlehre E, GIB Thun und Nachholbildung in zwei Schritten für Detailhandelsfachleut, POST / bds, Bern am 14.03.2012 in Thun

Förderung der beruflichen Grundbildung für Erwachsene
Ungelernte erhalten eine "Zweite Chance", 9. August 2011

Berechnungen zum Bedarf, 9. August 2011

Befragung nach Lehrvertragsauflösung
Auswertung einer Umfrage im Kanton Zürich, 27. Mai 2011

Verschiedene Möglichkeiten, als Erwachsene/r einen Berufsabschluss zu erwerben
Grafische Übersicht, März 2011

FORJAD Kanton Waadt
Präsentation des Projekts FORJAD, 17.02.2011

Abschlüsse nach BBV 31 und 32 im Jahr 2010
Eine Sonderauswertung des BfS der 2010 stattgefundenen Qualifikationsverfahren nach Art. 31 (Validierung) und Art. 32 (Qualifizierungsverfahren ohne Berufslehre)

Erwachsene in der Berufslehre
Befragung von erwachsenen Lernenden
Auswertung einer Umfrage im Kanton Basel-Stadt